Strumpf Geschichte

Alles begann mit der Beinbinde. Die Jäger, als Steine das wichtigste Werkzeug war, wickelten sich Tierfelle um die Beine. In der Bronzezeit, man begann bereits zu werben, wurden Tuchlappen mit Lederriemen um die Füße und Unterschenkel gebunden. Es waren immer nur Männer die Bein zeigten. In die Ahnengalerie der Strumpfmode gehören auch die hautengen Beinkleider der Trojaner. Ab dem 7. Jahrhundert trug man die bis zum Knie verlängerten "Hosa". Im 9.Jh. wurde die "hosa" am Wams, am Leibgurt oder an der Bruche festgemacht. Man nähte zum zusätzlichen Schutz vor dem Runterrutschen Schlaufen, Lederriemen und Stoffbänder an den oberen Rand der Beinlinge. Mit diesen Nesteln wurde der Beinling an der Bruche befestigt. Nesteln sind die Vorläufer von Strapsen, sie wurden im 17.Jh. durch Haken und Ösen ersetzt. Im 16.Jh. entstand der Begriff Strumpf "hosa", da man wohl bei der Optik des Beinlings an einem hohlen Baum dachte . Das Wort Strumpf hatte die Bedeutung: Baumstumpf. Im Englischen Hosery bezeichnet Strumpfware, Hoses Strumpf.

 

Rutschende Strümpfe machen keine Freude und daher wurden diese "Cloth-hoses" recht schnell durch Strümpfe mit Purpurseide und modischen Stickereien abgelöst (natürlich nur die Adligen). Das gewöhnliche Volk griff zur Alternative: Strümpfe stricken aus Wolle. Der Strickstrumpf entwickelte sich zum Standard, aber die Strumpf-Herstellung sehr aufwendig. Der Erfinder William Lee entwickelte 1589 einen Strumpfwirkstuhl bis zu 10 mal schneller arbeiten konnte als eine einzelne Handstrickerin.

 

Im 17. Jh. wurde "Frau" lockerer; bislang zeigte sie nur dem Ehemann oder Geliebten ihre schwarzen Strümpfe, doch Seidenstrümpfe wurden fortan in allen erdenklichen Strumpffarben hergestellt. Im 18. Jh. wurde der Damenstrumpf geboren. Die aus Seide gefertigten Strümpfe waren bereits recht modich: reich verziert und zunächst mit einem Band gehalten. Männer bekamen Kontrastnähte und bestickte Zwickel; im Winter trug man schlichte, wärmende Wollstrümpfe. Ein Strumpfaccessoire jedoch erlebte den Durchbruch: das Strumpfband. Das gut versteckte Dessous-Accessoire verzierte die Damenbeine meist luxuriös ausgestattet. Strümpfe und Strumpfband wurden zu einem bedeutenden Modeartikel. Strumpfbänder wurden gestrickt, gewirkt oder genäht. Die oft mit Perlen besetzten, bestickt und bemalten Strumpfbänder wurden über, bzw. unter dem Knie gebunden. Weniger luxuriöse Versionen gab es aus Leinen oder Baumwolle. Um die Geliebte zu beeindrucken schenkte der Mann statt Schmuck Strumpfbänder mit aufgedruckten Liebesaufforderungen. In der Männermode kamen Sockenhalter aus Gummi zum Einsatz. Das derzeit doch eher unschön auszusehende Gummiband erfüllte erst einmal seinen Zweck in der Strumpfbandmode. Aus medizinischer Sicht war das festgezurrte Band eine Katastrophe. Eine gute Alternative war daher das elastische Strapsband.

 

Die Trendwende der Strumpfmode


In der Strumpfmode löste Wolle die Seide ab. Kleider und Strümpfe bekommen einen sportlich-britischen Charakter. Stiefelstrümpfe mit Durchbruchmuster und Stickereien wurden modern. Man begann mit dem Veredlungsverfahren Mercerisieren indem auch die Farbechtheit der Baumwolle verbessert wird. Im Herrenstrumpf-Bereich kehrte Ruhe ein. Herrenstrümpfe sind elegant und schlicht bis heute. Socken in schwarz, anthrazit, braun, grau und beige Farben mit dezenter Musterung. Sitz bekamen die Strümpfe am Bein durch Sockenhalter.

 

In Strumpffabriken fertigte man Strümpfe an Cotton-Maschinen (erfunden von William Cotton). Die neuen Kunstseidenstrümpfe und Wollstrickstrümpfe der Frauen. Die Qualität der Strümpfe verbesserte sich: Passform und Samtigkeit. Um Körperstellen optisch zu modellieren und schlanker wirken zu lassen, setzte man ombrierte Strümpfe ein, deren Abschattierung glich einem schmalen, hohen Zwickel. Nachteil der Kunstseidenstrümpfe gegenüber Seidenstrumpf und Baumwollstrumpf waren Laufmaschen und Haltbarkeit. Man erfand den regenfesten, maschenfesten Strumpf: Feinere Qualitäten waren aber problematisch, da Kunstseide zu unelatisch und dick ist. Ein weiteres Problem war das die Minderung des Glanzes der Strümpfe durch die Kupferanteile nicht möglich schien. Reine Seidenstrümpfe brauchten einen Nachfolger, da der Strumpfbedarf durch mengenmäßig nicht ausreichenden Kokonfäden der Seidenraupen nicht gedeckt werden konnte. Man erfand in den 30er-Jahren das vollsynthetische Polyamid - Nylon-, sowie Perlon-Faser.

 

Nylon revolutionierte den Markt, Perlon hingegen fand durch die festen und weniger samten Eigenschaften kaum Einsatz am Damenbein. In den Kriegszeiten wurden Strümpfe durch den Entzug von Rohstoffen knapp. Man begann im Winter wieder Wollstrümpfe zu stricken und aus Sparsamkeit bei Löchern zu stopfen. Bei zu großen Löchern schnitt man die Socken einfach kurz zu Füßlingen (auch genannt: Strumpfretter). Um Nylons zu haben malte man sich die Strumpfnähte auf die Waden und bräunte die Beine mit Schminke. In der Nachkriegszeit hatte man es u.a. Julius Kunert, Edwin Rössler (Ergee), sowie Hermann und Ernst Bahner (Elbeo) zu verdanken das Cottonmaschinen wieder gebaut wurden und somit Nylons produziert werden konnten.

 

Der Durchbruch der Strumpfhose


In den 60er Jahren wurde die Naht mit Stilferse durch einen Killer der Cottonmaschinen abgelöst: der nahtlose Strumpf. Die Herstellung erfolgte auf dem günstigeren und wesentlich schnelleren Rundstrickautomaten. Jahre später lösten Strickmaschinen mit der Computersocke die limitierten Muster ab, Socken in riesiger Farbauswahl mit verschiedensten Dessins wurden möglich.



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